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Donnerstag, 30. April 2026

🌿 Tanz in den Mai – mit Maibäumen, Maiherzen und alten Bräuchen

 

🌿 Tanz in den Mai – mit Maibäumen, Maiherzen und alten Bräuchen

Im Dorf roch die Luft nach Birkenzweigen und frischem Holz, als der Maibaum aufgerichtet wurde. Bunte Bänder flatterten im Wind, und die jungen Männer trugen heimlich bemalte Maiherzen durch die Straßen – kleine Zeichen der Zuneigung, die man in der Nacht an Türen hängte.

Er hatte für sie eines gebastelt: schlicht, aus Holz, mit einer kleinen Rosenzeichnung in der Mitte. Kein großes Kunstwerk, aber ehrlich. Sie wusste nichts davon.

Als die Musik zum „Tanz in den Mai“ begann, füllte sich der Platz mit Stimmen, Lachen, dem Klirren von Gläsern. Der Maibaum stand wie ein leuchtender Mittelpunkt, und die Bänder bewegten sich, als würden sie selbst tanzen.

Sie kam über den Platz, eine einzelne Rose in der Hand. Er sah sie, und in diesem Moment wurde alles um ihn herum still. Nicht dramatisch – eher wie ein Atemzug, der länger bleibt.

„Für den Maibaum?“, fragte er. „Vielleicht“, sagte sie, „oder für jemanden, der sie verdient.“

Er nahm die Rose, band sie hoch oben an eines der Bänder. Die Blüte leuchtete im Abendlicht wie ein kleines Versprechen.

Später, als die Nacht dunkler wurde, führte er sie zu ihrer Haustür. Dort hing nun sein Maiherz, still, unscheinbar, aber voller Bedeutung. Sie blieb stehen, berührte das Holz, sah ihn an – und in ihrem Blick lag dieses warme Einverständnis, das man nicht erklären muss.

„Du hättest es nicht tun müssen“, sagte sie. „Doch“, antwortete er, „manchmal sagt ein Herz aus Holz mehr als Worte.“

Sie lächelte, leise, echt. Und als der Mai begann, standen sie nebeneinander – zwei Menschen, die wussten, dass manche Bräuche nicht altmodisch sind, sondern Wege, Gefühle sichtbar zu machen.

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