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Montag, 27. April 2026

„Wenn die Lichter des Rummels erwachen“

„Wenn die Lichter des Rummels erwachen“
Es war einer dieser Abende, an denen die Luft nach gebrannten Mandeln roch und der Himmel gerade dunkel genug wurde, damit die bunten Lichter des Rummels richtig zu leuchten begannen.
Der Platz war alt, ein bisschen schief, ein bisschen staubig — aber voller Leben.
So, wie Kirmes früher war.

Schon von weitem hörte man das Rattern der Fahrgeschäfte, das Kreischen der Bremsen, das Lachen der Kinder und das tiefe Brummen der Generatoren, die all die Lichter am Leben hielten.
Ein Klangteppich, der sich wie eine Erinnerung anfühlte.

Gleich am Eingang stand das große Kettenkarussell, dessen Sitze im Wind tanzten.
Die Glühbirnen rund um das Dach flackerten leicht, als hätten sie ihre eigene kleine Seele.
Wenn es sich drehte, hörte man das leise Pfeifen der Ketten — ein Geräusch, das man nie vergaß.

Daneben das Riesenrad, langsam, majestätisch, mit diesen alten Gondeln aus Metall, die ein bisschen klapperten, wenn man einstieg.
Von oben sah man die ganze Stadt, die Lichter, die Straßen, die Dächer — und den Rummel selbst, wie ein kleines Universum aus Farben.


Weiter hinten stand die Geisterbahn, alt und schief, mit bemalten Holzfiguren, die schon bessere Tage gesehen hatten.
Ein Skelett, das sich langsam bewegte.
Ein Geist, der aus einem Fenster lugte.
Alles ein bisschen kitschig, ein bisschen schräg — aber genau deshalb so charmant.



Und dann gab es noch die Ecke, die man heute kaum noch findet:
die Freakshow.

Nicht grausam, nicht sensationsgierig — eher ein Sammelsurium aus Kuriositäten, Geschichten und Menschen, die anders waren und daraus eine Kunst machten.
Der „Mann mit den tausend Geschichten“, der eigentlich nur ein begnadeter Erzähler war.
Die „Frau ohne Schatten“, die mit Licht und Spiegeln spielte.
Der „Starke Gustav“, der Eisenstangen verbog, aber danach jedem Kind freundlich zuwinkte.



Es war eine Welt, die nicht perfekt war, aber voller Herz.
Eine Welt, in der jeder Stand, jede Attraktion, jeder Mensch seine eigene Geschichte hatte.

Zwischen all dem liefen Paare Hand in Hand, Kinder mit bunten Luftballons, Jugendliche mit Zuckerwatte, die ihnen an den Fingern klebte.
Der Boden vibrierte leicht vom Musikmix aus Schlager, Pop und dem ewigen Kirmesbeat, der aus jedem Lautsprecher drang.



Und mittendrin stand ein alter Mann mit einem Drehorgelwagen.
Die Melodie war schief, ein bisschen zu langsam, aber sie passte perfekt zu diesem Ort.
Er nickte jedem zu, der vorbeiging, als wäre er der heimliche Wächter des Rummels.

Wenn man spät am Abend über den Platz ging, wenn die Lichter etwas müder wurden und die Stimmen leiser, dann hatte der Rummel etwas Magisches.
Etwas, das man nicht erklären konnte.
Etwas, das man nur fühlen konnte.


Es war die Mischung aus Nostalgie, Lachen, Lichtern und Geschichten.
Eine Welt, die nur für ein paar Tage im Jahr existierte —
und trotzdem ein Leben lang im Herzen blieb.


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