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Freitag, 1. Mai 2026

Im Licht über dem Fühlinger See

 

„Im Licht über dem Fühlinger See“

Der Nachmittag am Fühlinger See war einer dieser seltenen, goldenen Tage, an denen die Sonne nicht einfach schien, sondern alles in ein stilles Leuchten tauchte. Das Wasser glitzerte wie eine ruhige, atmende Fläche aus Licht.

Er hatte ein kleines Ruderboot gemietet, mehr aus einer Laune heraus als aus einem Plan. Sie stand am Steg, eine leichte Brise spielte in ihrem Haar, und sie sah ihm zu, wie er versuchte, das Boot halbwegs elegant an den Rand zu manövrieren. Es gelang ihm nicht besonders gut.

„Soll ich helfen?“, fragte sie, und ihr Lächeln war so freundlich, dass er sofort lachte.

„Bitte. Sonst treibe ich bis Düsseldorf.“

Sie stieg ein, setzte sich ihm gegenüber, und das Boot beruhigte sich, als hätte es nur auf sie gewartet. Die Sonne lag warm auf dem Wasser, und die Uferbäume spiegelten sich wie gemalte Linien.

Sie ruderten langsam hinaus, ohne Ziel, ohne Eile. Manchmal glitt ein Vogel über die Oberfläche, manchmal hörte man nur das leise Klatschen der Ruder.

„Ich komme oft hierher“, sagte sie. „Der See hat eine Art, Menschen ruhig zu machen.“

„Dann hat er heute gute Arbeit geleistet“, antwortete er.

Sie lachten. Es war ein leises, echtes Lachen, das sofort vertraut klang.

In der Mitte des Sees legte er die Ruder beiseite. Das Boot drehte sich leicht, als würde es ihnen den schönsten Blick schenken wollen: Sonne, Wasser, ein Hauch von Köln in der Ferne, und die Stille, die nur von warmem Wind bewegt wurde.

„Schön hier“, sagte sie.

„Ja“, sagte er. „Und noch schöner, seit du eingestiegen bist.“

Sie sah ihn an – überrascht, aber nicht verlegen. Eher so, als hätte sie genau diesen Satz gebraucht, ohne es zu wissen.

Die Sonne sank langsam tiefer, das Licht wurde weicher, goldener. Sie ließen das Boot treiben, erzählten von Lieblingsorten, kleinen Erinnerungen, Dingen, die man sonst selten ausspricht.

Als sie zurück zum Steg ruderten, war die Luft voller Abendwärme.

„Vielleicht…“, sagte sie, „rudern wir beim nächsten Mal ein Stück weiter. Da hinten ist eine Stelle, die kaum jemand kennt.“

„Dann brauche ich wohl wieder deine Hilfe“, sagte er.

„Vielleicht“, antwortete sie, und ihr Lächeln war diesmal noch wärmer.

Und so begann etwas – nicht laut, nicht überstürzt, sondern wie ein Boot auf einem stillen See: getragen vom Licht, vom Wasser, vom Gefühl, dass manche Begegnungen genau im richtigen Moment passieren.

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