(eine warme, fröhliche, flirtende Frühlingsgeschichte voller Poesie)
Der Frühling kam an diesem Morgen nicht mit Trompeten, sondern mit einem Lächeln. So einem, das man erst spürt, bevor man es sieht. Die Luft war weich, der Himmel hell, und irgendwo plätscherte Wasser über Steine, als würde es eine Melodie üben.
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Am kleinen Stadtbrunnen stand sie – eine Frau mit einem Arm voller bunter Blumen. Tulpen, Narzissen, ein paar wilde Zweige, die aussahen, als hätten sie den Frühling selbst eingefangen. Sie ordnete die Stiele, und jedes Mal, wenn sie sich vorbeugte, tanzte ein Sonnenstrahl über ihr Haar.
Ich blieb stehen. Nicht aus Überraschung – eher aus diesem stillen Gefühl, dass man einen Moment nicht vorbeiziehen lassen sollte.
„Schöner Tag“, sagte ich. Ein Satz so schlicht wie ein Kieselstein, aber sie hob den Blick, und ihr Lächeln machte ihn zu etwas Kostbarem.
„Der Frühling gibt sich Mühe“, antwortete sie. Ihre Stimme klang wie warmes Wasser, das über die Hände rinnt.
Eine leichte Brise wehte, und ein einzelnes Blütenblatt löste sich aus ihrem Strauß. Es segelte zwischen uns hin und her, als würde es überlegen, wem es gehören wollte. Ich fing es auf, und sie lachte – ein helles, freundliches Lachen, das den ganzen Platz wärmer machte.
„Vielleicht will der Frühling uns verkuppeln“, sagte sie spielerisch. Ich spürte, wie etwas in mir aufblühte, so leise und selbstverständlich wie die ersten Knospen an den Bäumen.
Wir gingen ein Stück am Wasser entlang. Die Sonne glitzerte auf der Oberfläche, als hätte jemand kleine Silberstücke hineingeworfen. Wir sprachen über Blumen, über Lieblingsfarben, über nichts und alles – und jeder Satz fühlte sich an wie ein neuer, zarter Faden zwischen uns.
Als wir uns verabschiedeten, steckte sie mir eine kleine gelbe Blume zu. „Für den Anfang“, sagte sie.
Und ich wusste: Der Frühling hatte nicht nur die Stadt geweckt. Er hatte auch etwas in mir berührt, das lange geschlafen hatte – etwas Warmes, Freundliches, Hoffnungsvolles.
Wo das Wasser den Frühling spiegelte
Der See lag still an diesem Nachmittag, als hätte er beschlossen, den Frühling selbst zu spiegeln. Das Wasser glitzerte wie verstreutes Silber, und am Ufer wuchsen kleine gelbe Blumen, die im Wind nickten, als wollten sie jeden begrüßen, der vorbeikam.
Ich setzte mich auf eine Bank, einfach um die Sonne zu spüren. Sie war weich, nicht aufdringlich – wie eine Hand, die man gern auf der Schulter hat.
Dann sah ich sie.
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Sie stand am Steg, barfuß, die Schuhe neben sich, und ließ ihre Zehen ins Wasser gleiten. Ihr Lachen war leise, aber es trug weit über die Oberfläche, als würde das Wasser es weitertragen. In ihrer Hand hielt sie einen kleinen Strauß wilder Frühlingsblumen, die aussahen, als hätte sie sie unterwegs einfach aufgehoben, weil sie zu schön waren, um liegenzubleiben.
Ich ging ein paar Schritte näher. Nicht aus Mut – eher aus diesem Gefühl, dass der Frühling manchmal kleine Türen öffnet, die man nicht ignorieren sollte.
„Ist das Wasser kalt?“, fragte ich. Ein Satz so schlicht wie ein Kieselstein, aber sie drehte sich um, und ihr Lächeln machte ihn zu etwas Warmem.
„Nur ein bisschen“, sagte sie. „Gerade genug, um wach zu werden.“
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Sie reichte mir eine der Blumen. Eine kleine, weiße, die nach nichts Besonderem aussah – bis sie in meiner Hand lag und plötzlich alles nach Frühling roch.
Wir gingen ein Stück am Ufer entlang. Die Sonne glitzerte auf dem Wasser, die Vögel sangen, und irgendwo plätscherte ein kleiner Bach in den See, als würde er Geschichten erzählen. Wir sprachen über Lieblingsorte, über das erste Eis des Jahres, über Farben, die nur im Frühling existieren.
Es war leicht. Es war freundlich. Es war warm.
Als wir uns verabschiedeten, sagte sie: „Vielleicht sieht man sich hier wieder. Der See merkt sich Gesichter.“
Und ich ging nach Hause mit dem Gefühl, dass der Frühling manchmal nicht nur die Natur weckt – sondern auch etwas im Herzen, das lange geschlafen hat.
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